Kategorie: ADAC

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    Kindersitztest 2025: ADAC warnt vor Reecle 360 und Chipolino Olympus i-Size

    Am 20. Oktober 2025 wurde bekannt, dass zwei weit verbreitete Kindersitze im Crashtest dramatisch versagen. Der ADAC, der gemeinsam mit ÖAMTC und TCS die aktuelle Testreihe durchgeführt hat, stuft die Modelle Reecle 360 ZA10 i-Size und Chipolino Olympus i-Size als „nicht empfehlenswert“ ein – mit der schwerwiegendsten Warnung: Lebensgefahr bei Unfällen.

    Sicherheitsversagen im Test

    Beide Sitze brachen bereits bei moderaten Frontalzügen aus der Verankerung. Im Video des ADAC-Crashtests ist deutlich zu sehen, wie die Sitzschale des Reecle 360 unter Belastung aus der Basis gleitet, während das Kinderdummy in der Luft geschleudert wird. Die Befestigung des Chipolino Olympus reißt bei seitlichem Aufprall – ein Szenario, das bei Unfällen auf deutschen Landstraßen häufig vorkommt.

    Die Mängel liegen im Grunddesign: Die Click-Connect-Verbindung war bei beiden Sitzen nicht ausreichend gegen Abrutschen gesichert. Die Prüfer beschreiben eine „elementare Konstruktionsmängel“, die selbst bei Geschwindigkeiten von 50 km/h zu schweren Kopfverletzungen führen können. Die Stiftung Warentest bestätigt: „Bei diesen Produkten hat der Gesetzgeber versagt – die Norm reicht nicht aus, um solche Risiken auszuschließen.“

    Rückruf angeordnet – aber nicht durchgesetzt

    Trotz der Warnung vom 30. September 2025 wurde kein flächendeckender Rückruf durch die Hersteller initiiert. Das Unternehmen Rexel Germany, das Reecle vertreibt, reagierte zunächst mit Schweigen. Erst nach massivem Mediendruck kündigte das Unternehmen eine „freiwillige Rücknahmeaktion“ an, die allerdings nicht automatisch greift – Eltern müssen sich aktiv melden.

    Bei Chipolino, einem Tochterunternehmen des chinesischen Konzerns Babyfirst, bleibt die Kommunikation unklar. Der Händler AliExpress entfernte die Produkte aus dem Sortiment, während Amazon und einige deutsche Fachhändler die Sitze weiter anbieten – ohne Warnhinweis. Die Bundesanstalt für Straßenwesen (BASt) prüft, ob ein behördlicher Rückruf angeordnet werden muss.

    Neue Modelle im Test: Sicherheit hat ihren Preis

    Von 16 getesteten Sitzen im Herbst 2025 schnitten nur fünf mit der Note „gut“ ab. Testsieger wurde der Cybex Cloud Z i-Size mit bester Seitenaufprallabsorption und intuitiver Montage. Dicht gefolgt von dem Modell Maxi-Cosi AxissFix Plus, das besonders für Eltern mit häufigem Wechsel zwischen Fahrzeugen geeignet ist.

    Der Preisunterschied ist deutlich: Die sichersten Modelle kosten zwischen 300 und 450 Euro, während die durchgefallenen Sitze unter 150 Euro lagen. Doch der ADAC betont: „Billig kann tödlich sein. Bei Kindersitzen darf man nicht am Schutz sparen.“ Verbraucherschützer fordern daher eine Verschärfung der i-Size-Norm (UN ECE R129), um Konstruktionsmängel früher zu erkennen.

    Rechtslage und Bußgeldkatalog

    Die Kindersitzpflicht in Deutschland bleibt unverändert: Kinder bis 1,50 Meter Körpergröße oder zwölf Jahre müssen einen geeigneten Sitz benutzen. Wer gegen die Vorschrift verstößt, riskiert ein Bußgeld von 60 Euro und einen Punkt in Flensburg. Wie aus einem Artikel der Bussgeldkatalog-Website hervorgeht, steigt die Strafe bei Gefährdung des Kindes auf bis zu 100 Euro.

    Noch gravierender ist die Haftung bei einem Unfall: Nutzt ein Elternteil einen nicht mehr zugelassenen oder beanstandeten Sitz, kann die Kfz-Versicherung die Zahlung verweigern – auch bei Unfällen Dritter. Die Rechtsprechung ist hier klar: „Sicherheitswarnungen ignorieren bedeutet grobe Fahrlässigkeit.“ Eine solche Praxis wird von der Stiftung Warentest als „verantwortungslos“ eingestuft.

    Fazit: Sicherheit vor Preis

    Die Warnung vor Reecle 360 und Chipolino Olympus ist keine Panikmache – sie ist eine notwendige Intervention. Die beiden Modelle sind nicht nur unzureichend, sondern gefährden aktiv die Insassen. Eltern sollten sofort prüfen, ob sie betroffen sind, und sich an die Hersteller wenden. Wie in einem Bericht des ADAC dargestellt, ist der Nachweis von Sicherheitsmängeln absolut eindeutig.

    Die Debatte zeigt zugleich, dass der gesetzliche Mindeststandard nicht ausreicht. Die Industrie nutzt oft nur die Mindestmaße der Norm, um Kosten zu sparen. Die Zukunft liegt in strengeren Testverfahren, transparenten Rückrufverfahren und einer stärkeren Verantwortung von Händlern. Sicherheit muss zum Standard werden – nicht zum Extra. Wie die BR24 berichtet, haben bereits mehrere Länder in der EU die Einführung zusätzlicher dynamischer Prüfkriterien angekündigt.